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RICHARD WAGNER: Isoldes Liebestod
(Almas Lieblingskomponist / Begegnung mit Kokoschka)
Ich liebe jemanden, so heiß, so innig ward
vielleicht kein Mensch noch geliebt, es ist Richard Wagner.
Er ist mir der liebste Mensch auf Erden - ich kanns beschwören.
(Alma in ihren Jugendtagebüchern, 6. Juni 1898)
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Richard Wagner
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Tristan und Isolde
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Alma und ihr Komposditionslehrer Alexander von Zemlinsky,
den Alma furchtbar hässlich
fand, kinnlos, klein, mit herausquellenden
Augen, unterhielten sich an einem Abend lange über Richard
Wagner, insbesondere über den Tristan. Als
Alma ihm eröffnete, dieses Werk sei ihre Lieblingsoper,
war Zemlinsky so erfreut, dass er nicht wiederzuerkennen war.
Er wurde ordentlich hübsch. Jetzt verstanden wir uns.
(Oskar Kokoschka in seinen Erinnerungen:) Wie schön
sie war hinter ihrem Trauerschleier! Ich war verzaubert von
ihr! Nach dem Abendessen hat sich mich beim Arm genommen und
mich ins Nebenzimmer gezogen, wo sie sich hinsetzte und mir
den Liebestod' vorspielte. (Alma:) Wir
standen auf - und er umarmte mich plötzlich stürmisch.
Diese Art der Umarmung war mir fremd... Ich erwiderte sie
in keiner Weise, und gerade das schien auf ihn gewirkt zu
haben. Er stürmte davon, und in einer Stunde hatte ich
den schönsten Liebes- und Werbebrief in Händen.
STRAWINSKY: Le Sacre du Printemps
(Parallele zu Kokoschkas Malerei)
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Alma und Igor Starwinsky 1946 in Los
Angeles
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Der Komponist Alfredo Casella spielte Alma 1912 in Paris
Strawinskys neues «Le Sacre du Printemps« vor,
von dem sie daraufhin sagte, es beinhalte »die gefährlichsten
Ideen seit Mahler«. Alma: »Das waren neue
Länder der Musik und nach Debussy das erste, was einem
wieder Glücksmomente zaubern konnte.«
Nicht nur, daß Kokoschka mit Alma gemeinsam die »sich
kreischende Animalität ergießender Klänge«
erlebte, sie brachte die frühe Musik des Russen auch
in Zusammenhang mit Kokoschkas Kunstauffassung und »Virtuosität
der Erotik«. Kokoschkas »Windsbraut«
und Strawinskys »Sacre« - das kam für sie
aus einer Quelle. Werfel kreidete ihre Leidenschaft sowohl
für Kokoschka als auch für Strawinsky später
als »Perversion im fortgeschrittenen Stadium«
an.
ERNST KRENEK:
Oper nach Kokoschkas Orpheus & Eurydike
Orpheus und Euridike, Oper in drei Akten op. 21, Libretto
von Oskar Kokoschka.
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Oskar Kokoschka: Die Windsbraut (1913)
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Der Oper liegt ein Drama Kokoschkas zugrunde, zu dem Ernst
Krenek 1923 »wie in einem Rausch« die Musik
schrieb. Anna Mahler, Almas Tochter, die mit Krenek verheiratet
war (seine 2. Symphonie ist ihr gewidmet), fertigte den Klavierauszug
an.
Die Uraufführung fand 1926 in Kassel statt. Das Werk
wird seither selten gespielt, die Salzburger Festspiele brachten
2005 eine konzertante Aufführung.
Thema von Kokoschkas Drama Orpheus und Eurydike,
das er 1916/17 nach seiner schweren Kriegsverwundung an der
russischen Front in der Rekonvaleszenz schrieb, ist seine
gescheiterte Liebesbeziehung zu Alma. In der Folge entstanden
zahlreiche Grafiken und Gemälde zu diesem Thema. 1921
wurde Kokoschkas Schauspiel in Frankfurt uraufgeführt,
Regisseur war Heinrich George, der auch die Rolle des Orpheus
spielte. Kokoschka saß während der Proben in der
ersten Reihe des Parketts und weinte still, aber unaufhörlich.
Albrecht Joseph, der spätere Ehemann Anna Mahlers, war
Georges Assistent und erinnert sich:
Immer wenn ich aus dem Parkett über die kleine
Notbrücke auf die Bühne steigen mußte, um
etwas mit George zu besprechen, sah ich unvermeidlich auf
meinem Weg zurück Tränen über Kokoschkas Gesicht
fließen. Ich wunderte mich, denn ich wußte nicht,
daß Orpheus Kokoschka selbst war, Eurydike Alma, Psyche
ihre Tochter Anna und Pluto Mahler. Ich ahnte nicht, daß
für einige Jahre nach Mahlers Tod Alma und Kokoschka
eine leidenschaftliche, wilde Liebesbeziehung miteinander
hatten, die damit endete, daß Alma ihren Geliebten drängte,
als Freiwilliger in den Krieg auszuziehen, obwohl er durchaus
nicht zum Soldaten geschaffen war. Er kam schwer verwundet
von der Front heim, und Anna sagt, ihre Mutter habe sich geweigert,
ihn im Spital zu besuchen oder ihn später überhaupt
wiederzusehen. Er war als Soldat kein Erfolg gewesen, und
das konnte sie nicht verzeihen. Aber Kokoschka konnte sie
nicht vergessen. Es wurde erzählt, daß er eine
lebensgroße Puppe machen ließ, ein Abbild seiner
Liebesgöttin, die er mitnahm, wenn er reiste, auch ins
Bett.
BACH: Choral »O Ewigkeit,
du Donnerwort« BWV 60 (Kokoschka-Grafik)
Die Kantate besteht aus einem Dialog zwischen Furcht und
Hoffnung, den Oskar Kokoschka auf seine eigenen Erlebnisse
mit Alma übertrug. Laut Kokoschka »ein Mythos,
ein Gestaltetes Symbol, trächtig mit Begegnung, Zeugung
und Entzweiung. Ich hatte die Ahnung eines kommenden Verhängnisses.«
«Es ist genug: Herr, wenn es dir gefällt, so
spanne mich doch aus. Mein Jesus kömmt: nun gute Nacht,
o Welt! Ich fahr ins Himmelshaus, ich fahre sicher hin mit
Frieden, mein großer Jammer bleibt darnieden. Es ist
genug, es ist genug.«
Oskar Kokoschka: Selbstbildnis (Brustbild mit Zeichenstift),
1914, Titelblatt des Grafikzyklus "O Ewigkeit Du Donnerwort
(Bachkantate)"
ALBAN BERG: Violinkonzert (Almas
Tochter Manon Gropius gewidmet)
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Alban Berg
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Die Totenmaske von Manon Gropius
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Manon Gropius
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Am 5. Oktober 1916 brachte Alma ihrem Ehemann Walter Gropius
ein Mädchen zur Welt, das vom ersten Augenblick an alle
in seinen Bann zog. »Sein Geist, mein Körper!
Unser beider Vollendung muß einen Halbgott entstehen
lassen!» Manon bezauberte alle Besucher, «sie
verbreitete Scheu mehr noch als Schönheit um sich, eine
Engels-Gazelle vom Himmel!» (Elias Canetti). Im
April 1934 klagte sie eines Abends in Venedig über rasende
Kopfschmerzen, der Arzt wurde gerufen, innerhalb weniger Stunden
war Manon gelähmt. Kinderlähmung. Sie war siebzehn
Jahre alt. Zurück in Wien saß die bezaubernde Manon,
die gerne Schauspielerin geworden wäre, angezogen und
herausgeputzt in einem Rollstuhl und wurde in dem großen
Haus auf der Hohen Warte herumgeführt. Sie starb ganz
plötzlich, am Pfingstmontag des Jahres 1935. In Erinnerung
an Manon Gropius komponierte Alban Berg sein Violinkonzert
und widmete es «dem Andenken eines Engels».
ANTON BRUCKER: Symphonie Nr. 3 (Ein
Handel mit Adolf Hitler)
«Ich hatte alte Sandalen an, schleppte eine Tasche
mit dem restlichen Geld und Schmuck und mit der Partitur der
3. Symphonie von Bruckner.» So schildert Alma ihre
Flucht vor den Nationalsozialisten aus Südfrankreich
Richtung Lissabon, von wo sie in die USA entkam. Die Witwe
Gustav Mahlers war eine von über 15 000 deutschen Flüchtlingen,
die 1940/41 in Südfrankreich auf Ausreisepapiere hofften.
Die Tasche mit der Partitur, die aufgerollten Leinwände,
der Koffer mit Manuskripten wurde zum letzten Gut, das es
neben dem nackten Leben zu retten galt.
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Anton Bruckner
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Gustav Mahler 1878
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Gustav Mahler hatte für seinen Lehrer Anton Bruckner
einen Klavierauszug der 3. Symphonie angefertigt, wofür
der Komponist sich großzügig bedankte: Er schenkte
Mahler die Manuskripte der ersten drei Sätze.
Nach Hitlers Einmarsch in Wien entwickelten die Nationalsozialisten
ein ausgeprägtes Interesse an den im Privatbesitz befindlichen
Handschriften Bruckners. Der Führer war begeistert
von Bruckner, und die Herausgabe der Urfassungen
seiner Sinfonien, die von fremden Einflüssen gereinigt
werden sollten, galt als kulturpolitisches Ziel. In Joseph
Goebbels' Propagandaministerium wurde das Zusammentragen der
wertvollen Manuskripte koordiniert. Beschaffung der Partituren
hatte höchste Priorität, weil wir fürchten
dass mit diesem wertvollen Schatz etwas passieren könnte.
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Joseph Goebbels
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Alma mit Richard Eberstaller
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Ida Gebauer, "Schulli"
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Diese Befürchtung war durchaus berechtigt, denn Alma
hatte den wertvollen Besitz ihres Mannes mit Hilfe Ihrer Kammerfrau
längst nach Frankreich schmuggeln lassen. Als die Nazis
wegen der Partitur nachfragten, konnte Almas Schwager nur
noch den Verlust melden. Aber Alma bot der Regierung zwei
Möglichkeiten an: entweder ein Ankauf dieser
Manuscripte um den Preis von ungefähr 15.000 RM [rund
52.000 Euro] oder ein Ankauf des Hauses oder der Villa im
Werte von ca. 160.000 RM Es ist unklar, wie Alma
sich diesen Handel vorstellte. Im Propagandaministerium ging
Almas Angebot durch die verschiedenen Instanzen, bis man sie
aufforderte, das Bruckner-Manuskript bei der Deutschen Botschaft
in Paris zu hinterlegen. Die Diplomaten würden, wie man
versprach, die geforderte Summe - mittlerweile verlangte sie
1500 englische Pfund Sterling - bar auszahlen, nach heutigem
Wert ungefähr 72.000 Euro.
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Almas Passbild 1938
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Als Alma am 3. Mai 1939 mit der Dritten Sinfonie unter dem
Arm in der Botschaft erschien, musste sie jedoch feststellen,
dass die anwesenden Beamten nichts von der getroffenen Abmachung
wussten. Unter diesen Umständen wollte sie ihren Schatz
auf gar keinen Fall den Deutschen überlassen. Die Ursache
für das Scheitern des Verkaufs war banal: Das Propagandaministerium
hatte es versäumt, die Kollegen in Paris rechtzeitig
über Almas Erscheinen zu informieren. Die entsprechenden
Instruktionen trafen erst am 4. Mai in der Botschaft ein.
Almas Schwager, Richard Eberstaller, der glühender Nazi
war, gelang es schließlich, Alma zu einem erneuten Besuch
in der deutschen Auslandsvertretung zu überreden. Nun
stand dem Verkauf nichts mehr im Wege. Nach einigen Wochen
fragte Berlin jedoch ungeduldig nach, ob Alma mittlerweile
in der Botschaft vorgesprochen habe. Daraufhin teilte Paris
am 6. Juni mit, dass Frau Mahler-Werfel nicht mehr gesehen
worden sei. Alma und Franz Werfel waren bereits Mitte Mai
nach Sanary zurückgekehrt.
Die Geschichte sollte jedoch erst in Amerika zu einem Ende
kommen. Mitte Dezember 1940 hiess es, Frau Mahler-Werfel sei
in ihrem New Yorker Hotel telegrafisch erreichbar und erwarte
die Anweisung des Betrages in englischen Pfund oder in US-Dollar.
Man staunte über das forsche Vorgehen der Besitzerin:
Alles sehr schön, aber woher kommen die Devisen?
Einige Wochen später lag die Einschätzung der Haushaltsabteilung
vor: Der von Frau Mahler-Werfel geforderte Betrag sei immerhin
so hoch, dass er aus der Goldreserve der Reichsbank
transferiert werden müsste. In der derzeitigen
Situation sei, wie der zuständige Beamte betonte, eine
solche Maßnahme nicht zu rechtfertigen, schließlich
dürfte es sich bei Frau Mahler-Werfel wohl um eine mehr
oder weniger nicht arische Emigrantin handeln, der gegenüber
wir zur Auszahlung solcher Summen in Bardevisen wenig Veranlassung
haben. Aus devisenpolitischen Gründen, so die
offizielle Sprachregelung, wurde der Kauf der Partitur abgelehnt.
Almas Geschäft mit dem Führer war endgültig
gescheitert, sie hatte den Bogen überspannt.
VERDI: (Franz Werfels Lieblingskomponist)
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Franz Werfel 1924
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Verdi: Roman der Oper (1924)
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Giuseppe Verdi
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Franz Werfel war ein großer Verdi-Fan, übersetzte
das Libretto von Macht des Schicksals und feierte
mit seinem Roman Verdi. Roman einer Oper seinen
ersten großen kommerziellen Erfolg als Autor. Als der
Verdi-Roman am 4. April 1924 erschien, hatte Alma allen Grund,
auf ihr Mannkind Franz Werfel stolz zu sein. Die
erste Auflage war innerhalb weniger Monate vergriffen, und
es zeichnete sich ein beachtlicher Erfolg ab. Werfels erster
Roman wurde zum Grundstein des Paul Zsolnay Verlages.
HANS PFITZNER: Streichquartett D-Dur (Alma gewidmet)
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| Hans Pfitzner |
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Hans Pfitzner widmete Alma sein Streichquartett D-Dur op. 13 (1902/03, uraufgeführt 1903 in Wien vom Arnold Rosé Quartett)
Schon während ihrer Ehe mit Gustav Mahler hatte sich der Komponist Hans Pfitzner um Alma bemüht. Alma fand Gefallen am Flirten mit Pfitzner und schrieb nach einer Begegnung im Januar 1905: "Eines nur weiß ich, er trachtete mir nahe zu kommen, berührte mich mit seinen Händen, wo er konnte, und bat mich endlich mit heißer Stimme um eine Photographie. Wir waren allein im Wohnzimmer. Ich liess mirs gefallen - fühlte diesen prickelnden Hautreiz, den ich schon so lange nicht gefühlt habe." Alma verband mit Hans Pfitzner dessen männliche Musik und Dichtung. In ihrem Tagebuch beschreibt sie später ein Zusammensein mit dem Komponisten im Winter 1914 und genießt ganz offensichtlich ihre superiore Position: "Am Abend saßen wir auf dem Sopha, er nahm meine Füße auf seinen Schoß und streichelte sie. Dies der erste Abend. Am zweiten Abend: Hinüberlegen seines Kopfes auf meine Brust. Ich streichelte seine Haare - was sollte ich sonst tun? Er wollte 'geküsst' sein. Ich tat es endlich aus Rührung (nur auf die Stirn) für diesen armen Menschen! Er wollte mehr - da begann ich ihm mit großer Überlegenheit den Weg einer reinen Empfindung zu zeigen. Da - dieser feine Dichter und Musiker sagte wörtlich: 'Was sollen wir jetzt tun? Soll ich Dich nun besitzen - oder nicht?' Er war mir nur komisch in diesem Moment. Ich ließ ihn noch eine kurze Weile bei dem 'wir', aber jämmerlich kam mir dieses grobklotzige, kleine, schwache Nervenbündel vor! Das sind die Künstler. Wenns ans Leben geht - werden sie Dilettanten!" Über Pfitzners ungelenke Annäherungsversuche konnte sie später nur noch lächeln: "Alle Katzen fallen auf vier Füße - die Männer auf…drei!"
ERICH WOLFGANG KORNGOLD: Violinkonzert
(Alma gewidmet)
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Erich Wolfgang Korngold
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Alma
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Korngolds Konzert für Violine und Orchester D-dur op.
35 (Entstehung: 1945) ist Alma Mahler-Werfel gewidmet, die
eine langjährige Freundin der Familie war und mit zum
Künstlerkreis im kalifornischen Exil gehört hatte,
zu dem auch der 1934 emigrierte Korngold gehörte. Anfang
der vierziger Jahre hatte sich Los Angeles zu einer Hochburg
der deutschen Emigration entwickelt: Die Schriftsteller Thomas
und Heinrich Mann, Bertolt Brecht und Alfred Döblin,
der Komponist Arnold Schönberg, der Regisseur Max Reinhardt,
um nur einige zu nennen, ließen sich irgendwann nach
ihrer Flucht aus Europa in Deutsch-Kalifornien
nieder. »Zuerst war ich ein Wunderkind, dann ein
erfolgreicher Opernkomponist in Europa und dann ein Filmmusikkomponist.
Ich glaube, dass ich jetzt eine Entscheidung treffen muss,
wenn ich nicht für den Rest meines Lebens ein Hollywoodkomponist
bleiben will« - mit diesen Worten umschrieb Korngold
1946 einen Wendepunkt.
Das Kriegsende 1945 hatte dem Komponisten nicht nur die Möglichkeit
eröffnet, wieder nach Europa zu reisen, sondern es bedeutete
auch eine schöpferische Krise. Korngold wandte sich nun
von der Filmmusik ab und begann wieder »absolute«
Musik in den traditionellen Gattungen zu komponieren. Das
Violinkonzert in D-Dur op. 35 von 1945 leitete diese neue
Schaffensphase ein. Die enorme Virtuosität des Soloparts
hatte Korngold damals auf die besonderen Fähigkeiten
des großen Geigers Jascha Heifetz abgestimmt und diesem
das Konzert sozusagen auf den Leib komponiert. Dieser hat
es am 15. Februar 1947 mit dem St. Louis Symphony Orchestra
unter der Leitung von Vladimir Golschmann in St. Louis uraufgeführt.
Im Finalsatz zitiert Korngold die Hauptmelodie aus der 1937
entstandenen Hollywood-Produktion "Der Prinz und der
Bettelknabe". Angelegt als Folge von Variationen über
das volkstümlich wirkende, rustikale Thema stellt der
Schluss-Satz eine geigerische Tour de force dar, die dem Solisten
Gelegenheit gibt, seine Virtuosität in aller Brillanz
unter Beweis zu stellen. Anne-Sophie Mutter hat diesen Geheimtipp
unter den Violinkonzerten in jüngster Zeit populär
gemacht. Es ist ein wunderbares romantisches Stück, dass
sehr an Filmmusik erinnert - Kino für die Ohren! Begleitet
wird Mutter vom London Symphony Orchestra unter der Leitung
ihres Ehemanns, André Previn. Previn hat mit diesem
Orchester für seine Korngold-Interpretation einen Grammy
gewonnen.
BENJAMIN BRITTEN: Nocturne op. 60
(Alma gewidmet)
Britten: Nocturne, Op. 60. For tenor, seven obbligato instruments,
and string orchestra (1958). Britten widmete das Werk Alma
Mahler in Anerkennung dessen, was er Gustav Mahler zu verdanken
hatte. Das Nocturne op. 60 wurde beim Leeds Centenary Festival
von 1958, noch im Jahre seines Entstehens, uraufgeführt.
Es geht um Nacht, Schlaf und Traum, Britten verwendet sieben
verschiedene Solisten, die jeweils einem Lied ihre charakteristische
Farbe verleihen. Das Nocturne ist durchkomponiert und von
einer wiederkehrenden Ritornell-Figur der Streicher zusammengehalten,
deren wiegende Bewegung den Atem des Schlafenden darstellen
soll.
Die Streicher begleiten den wiegenliedartigen ersten Gesang,
Shelleys On a poets lips I slept, der vom
erwähnten Schlafmotiv beherrscht wird. Eine Überblendung
führt zum zweiten Teil Tennysons The Kraken,
das große See-Ungeheuer, an das das weit dahin springende
und sich windende Solofagott erinnert. Die Harfe charakterisiert
Coleridges delikate Mondscheinträumerei des lieblichen
Knaben, der Früchte sammelt (lovely boy plucking
fruits), wobei das reine, sorglose A-dur das Britten
üblicherweise für Unschuld und Schönheit verwendet
nur in der letzten Zeile leicht verstört erscheint:
Has he no friend, no loving mother near (Ist kein Freund,
keine liebende Mutter in der Nähe?). Mit seinem farbigen
Gebrauch von Dämpfer, Stopfen und Flatterzunge liefert
das Horn die lautmalerischen, nocturnalen Klänge in Middletons
midnight bell.
Die beiden Mittelsätze befassen sich mit den eher unheilvollen
Seiten der Nacht und der Dunkelheit: Die Zeilen aus Wordsworths
Prelude erhalten ihre spezifische Färbung durch die Pauken,
deren geheimnisvolles Rumpeln die Musik zu einem schmerzlichen
Höhepunkt führt. Nach einem raschen diminuendo folgt
eine Vertonung der Freundlichen Geister (Kind
Ghosts) von Wilfred Owen, womit Britten erstmals Poesie eines
Dichters verwendet, dessen Texte er auch im War Requiem vertonte.
Hier hören wir nun einen Trauermarsch des klagenden Englischhorns,
der von dem düsteren pizzikato-Schritt der Streicher
begleitet wird. Ganz anders ist die Keats-Vertonung Sleep
and Poetry: Mit seinem luftigen Dialog von Flöte und
Klarinette ist dieser Teil der leichteste Satz des gesamten
Werkes. Der Höhepunkt ist eine Wiederholung des ritornello,
woraus wiederum das äußerst expressive, mahlerische
Schlussstück des 43. Sonetts von Shakespeare entsteht:
In When most I wink werden alle bis dahin benutzten
Instrumente kombiniert.
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zu Teil 1 von "Alma in der Musik anderer Komponisten"
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